Die Welt aus der Sicht einer Autobahnraststättenkloputzfrau

Geschrieben von GlatzoPatzo am 6. April 2006 | Abgelegt unter FromHirn2Paper

Es war einmal eine Kloputzfrau an einer zufällig bedürfnisserfüllend gelegenen Autobahnraststätte an der A8 von München nach Stuttgart. An dem Abend als ich dort einkehrte und gezwungen war in Autokinoposition zu ihrer gut einsichtbaren Arbeitsstätte zu parken, erfuhr ich durch vorsichtiges. aber neugieriges und beharrliches Beobachten einiges aus ihrer Welt.

Nachdem ich ihr wohlgepflegtes Örtchen markierte und mich nicht monetär dafür bedankte, begab ich mich in die Snackbar Tankstelle um dort Koffein und Zucker in wohlbekannter Form überteuert zu erwerben und brachte mich mit Coffee2go und Raider Twix in Tierfilmerposition.

Auf meinem Weg aus der Bedüfnisanstalt heraus – natürlich mit gut geübten ignoranten Blick und dem Geldbeutel tief in der Jacke vergraben – ist mir aufgefallen wie sie die Klogänger versucht mit subversivem Druck dazu zu bewegen ihre Putzdienste monetär zu huldigen.
Da es zwei Ausgänge gab waren natürlich auch zwei Opferstöcke plaziert – zu nah am optimalen Gehweg um sie übersehen zu können, aber auch noch außreichend genug davon entfernt, um nicht als Stolperfalle zu dienen. Auf jedem war ein Opferdeckchen ausgelegt, das wunderbar farblich zu den darauf ausgelegten Münzen kontrastierte. Und es sind nicht nur mehr die größeren Münzen auf die sie es abgesehen hatte, denn es lagen zu etwa zwei bis drei fünftel bronzene Münzen darauf. Wenn ich gewusst hätte dass man nun für 2 Cent Trinkgeld keine osteuropäischen Inkassogangs mehr auf den Hals gehetzt bekommt, hätte sie sogar einen Zwickel aus meiner Glückssammlung bekommen!

Aber zurück zum Verhalten des pussierlichen Tierchens. Während Mann und Frau mit erleichtertem Gesichtsausdruck aus der entsprechenden Tür kam, hat sie ihren Balztanz begonnen – oder besser die folgende Strategie eingesetzt um an das Kleingeld zu kommen.

Das erste was man nach dem Händetrocknen sah war ihr erwartungsvolles Gesicht, da sie sich genau gegenüber der Ausgänge platzierte. Bekam man nun ein schlechtes Gewissen, da man die von ihr vor 3 Minuten gewischte Klobrille voller Genuss im Stehen markiert hatte, konnte man ängstlich den Blick abwenden und musste aufgrund der ausgangsnah positionierten Opferstöcke nicht vor sie hintreten und erfürchtig seinen Obolus abzulegen, sondern konnte schnell flüchten und nebenbei noch seine Schuld mit einer Kleingeldspende eingestehen.
Ihr nächster schlauer Schachzug ist das Auslegen kleiner Münzen auf den Spendentischchen, denn diese korrigieren die allgemein übliche Meinung, dass 10 oder 20 Cent das Minimum sind, nach unten und viele greifen dann doch zur Brieftasche. Dadurch fallen auch ein Teil der humanen Gebietsmarkierer in den Kreis der zahlenden Kunden, die normalerweise nichts geben würden – und wenn man schon mal die Brieftasche gezückt hat wird man auch etwas auf dem Tisch klimpern lassen – auch wenn man keine kupferne Münze haben sollte, denn wer lässt sich schon von einer Kloputzfrau auf 50 Cent rausgeben? Ich würde dann lieber die große Münze geben, weil ich keine Lust habe ihren Schrubber mit 1000 verschiedenen Urinarten ins Fressbrett zu bekommen.

Damit dieses Prinzip auch den ganzen Tag funktioniert muss dass Geld so schnell und so unauffällig wie möglich eingeholt werden (vielleicht auch gewaschen, aber das ist eine andere Geschichte), um den Kurzzeitbesuchern nicht den Erfolg des Geschäfts zu zeigen. Jemand der weiß dass er für den Dienst eigentlich zahlen müsste, aber sieht dass bereits ein großer Haufen an Geld fürs Scheißewischen bezahlt wurde, wird wohl eher nichts geben. Daher wurde von Frau K.P.-F. (Name von der Redaktion geändert) auch der Eingangsbereich regelmäßig gewischt, denn dabei kommt man oft an den eigenen Opferstöcken vorbei und kann mit der unverkennlich souveränen Kloputzfrauhandbewegung das Geld in die Tasche gleiten lassen.

Ich war richtig traurig dass mein Twix Kingsize so schnell verputzt war, denn ich hätte gerne noch weitere Eigenheiten herausgefunden, aber es war schon spät und in meinem Alter braucht man seinen Schönheitsschlaf.

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