Kleine IKEA Einrichtungsgeschichte

Geschrieben von GlatzoPatzo am 26. August 2005 | Abgelegt unter FromHirn2Paper

Bevor diverse Kleidungsstücke untrennbare Verbindungen mit dem Boden eingehen dachte ich mir ich könnte doch mal wieder IKEAnischen Stauraum schaffen, denn so viele Fussböden und Klamotten hat man als Student nicht.

IKEA.jpg

Also auf zu den lustigen Schweden, die Unmengen an kinderbearbeitetem Holz importieren (Hallo IKEA! Ich verwendete gerade das Stilmittel IRONIE, also lasst euro nationalen Gardinen mal stecken!)! Als stolzer Family-Card Besitzer (JA! Ich habe meine Adresse für 5 Euro Nachlass am Teppich verhurt!) bekam ich frühzeitig den neuen Katalog zugesandt und sah mir statt irgendwelcher Filme oder Hausfussballmatches den Möbelkatalog als Gute-Nacht-Lektüre an.
Die Auswahl ist ja nicht schlecht und man könnte richtig Spass haben bei der Auswahl der Möbel! Leider schränken die links von dem €-Zeichen stehenden Zahlen meine Auswahl extrem ein und ich muss die Suche in dem Katalog nicht nach Aussehen, sodern nach Kosten und Nutzen sortieren. Bei diese kombinierten Stichwortsuche im Katalog fiel mir ziemlich oft das Wort GORM auf… (Ich muss aber zugeben dass ich dann doch nicht die Kleiderstange für 5 Euro genommen habe sondern mir den 35-eurigen Luxus für einen Kleiderschrank namens VESTBY erlaubt habe)

Mit der Liste meiner Auswahl rollte ich nach Sindelfingen in das Nestbautriebmekka. Als erstes entschied ich mich gleich mal falsch, denn ich fuhr auf das Parkdeck 1, welches durch einen ansteigenden Kreisverkehr mit dem Erdboden verbunden ist. Ich hätte wohl im ersten Gang hochfahren sollen, denn mir war richtig schön schwindlig als ich dort ankam. Wäre sicher auch witzig genau am Ausgang der Spirale eine Kamera anzubringen und die verdrehwurmten Einrichtungswilligen zu filmen. Ich hätte sicher ein ganz tolles Bild abgegeben als ich den Kopf zum Entdrehwurmen schüttelte…

Ein kleines Problem ergab sich auch durch mein im IKEA Verkaufsprinzip nicht einkalkuliertes gezieltes Vorgehen bei meinem Einkauf. Ich wollte und konnte nicht durch Möbelausstellung gehen (es war 19:30, denn ich hatte mir in den Kopf gesetzt unbedingt noch vorher schwimmen zu gehen – und das genau um 18 Uhr, damit es nur 1,50€ kostet und nicht 3,50 für 45 min und 2km – was dann aber anderes endete – aber das ist eine andere Geschichte). Ich wollte direkt über Los und nicht ins Ausstellungsirrweggefängnis. Dazu musste ich dann erst die Treppe hoch, 20 Meter durch die Cafeteria, um dann wieder die Treppen hinab zum Mitnahmemarkt zu steigen.

Hmm – gut 20 Minuten Zeit für Kleiderschrank, Abstellregal, Nachttisch, Bilderrahmen Verstaukartons und zwei Leuchten – da musste der Einkaufstieflader als zweihändiger Tretroller herhalten. Ich kam recht schnell voran und so hatte ich bald eine unglaublich weisse Leselampe für meinen noch aufzufindenen Nachttisch. Bevor ich in den Möbel-SB Teil kam nahm ich noch 2 grosse Kartons mit und versagte beim Aussuchen eines geeigneten Bilderrahmens für das noch zu entwickelnde Blütenbild für meine Mutter (siehe unten). Welche Rahmengrösse nimmt man auch bei einem 20×30 Bild, wenn es nur viel zu klein, viel zu gross und 21x30 gibt??

Blumen.jpg

Was mich aber wieder erfreute war der Anblick einiger vom Nestbautrieb befallene hübsche Frauen, für welchen ich mein Pseudoskaterdasein eine Weile aufgab. Frauen beim Nestbauen strahlen eine grose Freude aus, denn das  Aussuchen und der Einkauf von Möbeln für die gemeinsame Wohnung (meist war der Jüngling der Wahl dabei) vermittelt eine Vorfreude, aber auch eine Sicherheit, dass es der andere auch wirklich ernst meint emoticon.

Soweit so gut – auch unter dem Gedränge Richtung Kasse nach der 15-Minuten-Warnung per Lautsprecher das gute GORM, meinen Kleiderschrank und den Nachttisch eingepackt und gezahlt. Family Card hat nichts gebracht ausser der Teilnahme an einem bescheuerten Gewinnspiel (Welcher Marketingexperte hat eigentlich das Glücksspiel umbenannt? Hinweis: Es heisst heutzutage nicht mehr Heim, sondern Wohngruppe! Nicht nur positiv denken, sondern auch positiver ausdrücken als es wirklich ist!). Zum Glück gabs die ganzen optionalen Sachen auf meiner Liste nicht mehr und mein Konto blieb mit gut gesinnt.

Nach der Autofahrt mit dem Kleiderschrank ca. 5 cm von meinem Kopf entfernt, welcher die Sicht aus dem Heckfenster und die auf den Aussenspiegel verdeckte, blieb die Rückfahrt ohne bemerkenswerte Zwischenfälle.

Zuhause angekommen wartete – stimmt da war doch noch was – der liebe Dani mit seinen mittlerweile 5 Stunden alten Rechnerproblemen auf mich (Erinnerung für mich selbst: T-Shirt mit Aufdruck "NO – I will not repair your computer!" kaufen). Zum Glück hatte ich meinen alten WG-Ehepartner ins Wohnzimmer verfrachtet und ein hilfswilliger Vormieter war zur Stelle. So konnte ich mit einigen Kickerpausen meinen neu erworbenen Stauraum zusammenschrauben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meinen Vater für den unglaublichen Schraubenzieher mit Aufsätzen aller Art!

Eigentlich war es klar, dass die letzte Schraube nicht wollte. Nach einem sehr entspannten Schrauberabend kam ich doch noch ins Schwitzen und mein Schimpforgan in Wallung. Einer dieser verdammeleiten Holzdübel ragte dank versaubeutelter Vorbohrung schräg aus der Seitenwand und verhinderte so ein gerades Zusammenschrauben. Klingt nicht so schlimm jetzt, aber man musste das Gewinde für die Schraube gerade und passend tief in das Loch drücken und die Schraube nach oben mit dem Schraubenzieher eindrehen. Dabei am besten noch die Seitenwand schräg andrücken und das wärs auch schon gewesen. Einige Minuten später, einen abgerissenen Holzdübel und ein paar mehr Nerven weniger überwand ich dann doch meine männliche Handwerkerehre und fragte nach Hilfe.

wutschrei.jpgZum Glück reichten dann 6 Hände dafür aus und ich konnte, nachdem ich die Schraube nochmals geöffnet hatte, um die vergessene Vorhangstange einzufügen, beginnen die Rückwand an den Schrank zu nageln. Vor lauter Euphorie über die Fertigstellung vergaß (also wenn man hier in Zukunft ein einfaches s schreiben soll gibts Haue!) ich die Uhrzeit, welche auf 1 Uhr nachts vorangeschritten war. Ich klopfte zwar nicht laut, denn ich wollte die Nägel beim nächsten Umzug wieder rausbekommen, aber irgendwann vernahm ich ein Klopfen von unten. Ich dachte es ist Tines, der unter mir wohnt und nicht schlafen kann. Ich rief kurz hinunter dass ich gleich fertig sei und ließ den Rest der Nägel lautstark im Holz verschwinden. Kaum war ich fertig und hatte den Schrank aufgestellt, klingelte das Telefon. Tines rief mich an um mich zu fragen ob ich denn nicht langsam aufhören könnte, denn der Nachbar schreie schon herüber dass es reiche. Anscheinend hatte ich direkt nach einem von mir nicht vernommenem Schrei noch mehr gehämmert… emoticon

Tut mir leid Herr Nachbar! Falls sie zu den Millionen Lesern meines beliebten Online Tagebuchs gehören sollten: Ich geb Ihnen wahlweise ein Sixpack Bier oder eine Packung Ohropax aus!

Irgendwie konnte ich dann nicht schlafen und räumte bis 2 Uhr so gut wie alles in meine neuen Schränke ein und entwickelte noch ein bahnbrechendes Gorm-Verschlusssystem. Dazu benötigt wird ein in der Toskana gekauftes Strandtuch, etwas Tesa, ein Pinwandnagel und ein paar Reiszwecken. Danach konnte ich mir stolz eine Doku über den Zirkus Roncalli anschauen, um mich dann um 3:30 ins Bett zu legen und erst nach ewiger Zeit einzuschlafen.

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben